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Wie heiß wird ein Auto in der Sonne wirklich?

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Lesezeit: ca. 5 Min.
Seitenansicht eines roten VW-Fahrzeugs, das draußen geparkt wurde.
Im Sommer kennt jeder das unangenehme Gefühl beim Einsteigen ins aufgeheizte Auto: Doch die wenigsten wissen, welche Temperaturen dabei tatsächlich erreicht werden. Spoiler: Sie sind erschreckend hoch. Oft reicht schon ein milder Tag aus, damit sich im Innenraum kritische Temperaturen entwickeln. Höchste Zeit also für einen Blick auf die tatsächlichen Werte, die Erklärung dahinter und vor allem darauf, was im Sommer wirklich hilft.

Warum sich das Auto so schnell aufheizt

Das Prinzip dahinter ist im Grunde ein Treibhaus auf vier Rädern: Die Sonne gibt ihre Energie überwiegend in Form von kurzwelliger Strahlung ab, die nahezu ungehindert durch das Glas der Autoscheiben geht. Die Sonneneinstrahlung trifft im Innenraum auf das Armaturenbrett, die Sitze, das Lenkrad und andere Oberflächen. Diese nehmen die Energie auf, erwärmen sich und geben sie als langwellige Wärmestrahlung wieder ab. Das Problematische daran ist, dass Glas für diese langwellige Wärmestrahlung kaum durchlässig ist. Die Energie kommt also leicht herein, aber nur schwer wieder hinaus. Und weil die Luft im geschlossenen Auto nicht zirkulieren kann, staut sie sich immer weiter auf. Das Ergebnis: Das Auto kühlt nicht ab, weil die Hitze nirgendwohin entweichen kann.

Das Verblüffende daran ist, dass sich der Innenraum dabei weitgehend unabhängig von der Außentemperatur aufheizt. Es muss also gar kein Hochsommertag sein, damit es im Auto richtig heiß wird.
Lüftungsschlitze im Fond eines Fahrzeugs

Hitze im Auto: Die konkreten Zahlen

Damit du eine Vorstellung davon bekommst, wie heiß ein Auto in der Sonne wird, haben wir die wichtigsten Infos für dich zusammengefasst:
  • Bei einer Außentemperatur von 30 °C heizt sich ein in der Sonne abgestelltes Auto innerhalb von 30 Minuten auf 46 °C auf. Nach einer Stunde sind es sogar 56 °C. (Quelle: ARBÖ/OTS)
  • Selbst bei einer Außentemperatur von nur 20 °C kann der Innenraum bei direkter Sonneneinstrahlung innerhalb einer Stunde auf rund 46 °C ansteigen. (Quelle: ARBÖ/OTS)
  • Bereits nach 15 Minuten kann es in einem geschlossenen Auto bei praller Sonne für Menschen oder Tiere, die sich währenddessen im geschlossenen Auto befinden, lebensgefährlich werden. (Quelle: ÄrzteZeitung)
Wie gravierend die Auswirkungen in der Praxis sind, hat auch der ÖAMTC mit mehreren Fahrzeugen getestet, die einen Vormittag lang ungeschützt in der Sonne standen. Bei 30 °C Außentemperatur kletterten die Temperaturen auf den Sitzflächen und den Armaturenbrettern auf 70 bis 80 °C. In Kopfhöhe lag die gemessene Lufttemperatur bei rund 60 °C. Auch der Kofferraum war mit 50 °C alles andere als ein sicherer Rückzugsort für Tiere.

Die unterschätzten Risiken eines heißen Autos

Ein aufgeheizter Autoinnenraum bleibt nicht ohne Folgen. Empfindliche Technik wie Smartphones, Navigationsgeräte oder Powerbanks kann durch extreme Temperaturen Schaden nehmen. Im schlimmsten Fall können Akkus sogar überhitzen. Auch Medikamente, Lebensmittel und Getränke können unbrauchbar werden. Für dich als Fahrer*in ist ein aufgeheiztes Auto mehr als nur unangenehm: Wer bei praller Hitze einsteigt und sofort losfährt, riskiert Kreislaufprobleme, Konzentrationsschwäche und eine langsamere Reaktionszeit. Gerade im Straßenverkehr ist das eine große Gefahr, die nicht unterschätzt werden sollte.

Solltest du zu einer Risikogruppe (z. B. Schwangere, ältere Personen, Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Einnahme von bestimmten Medikamenten) gehören, ist dieser Aspekt umso wichtiger! Gönn dir vor der Abfahrt daher einen Moment, um den Innenraum zu klimatisieren.
Seitenansicht eines roten VW-Fahrzeugs, das draußen geparkt wurde.

Tipps für den Sommer, die wirklich etwas bringen

  • Im Schatten parken: Such dir wann immer möglich ein schattiges Plätzchen. Das senkt die Innenraumtemperatur deutlich stärker als jede andere Maßnahme. Bedenke aber, dass der Schatten mit der Sonne wandert.
  • Vor dem Losfahren durchlüften: Öffne kurz alle Türen und schaffe ein, zwei Minuten Durchzug, bevor du einsteigst. So entweicht die schlimmste Stauhitze, und die Klimaanlage muss anschließend deutlich weniger arbeiten.
  • Innenraum-Oberflächen testen: Berühre kurz Lenkrad, Sitz und Gurtschloss, bevor du oder andere sich hineinsetzen. Gerade Metallteile können sich so stark erhitzen, dass sie Verbrennungen verursachen.
  • Sonnenschutz verwenden: Eine Sonnenschutzblende oder Thermomatte hält das Armaturenbrett deutlich kühler und macht den Einstieg angenehmer.
  • Klimaanlage prüfen lassen: Eine schwächelnde Klimaanlage merkst du erst, wenn du sie dringend brauchst. Achte daher darauf, die Klimaanlage frühzeitig warten zu lassen, damit du im Sommer dann von der vollen Kühlleistung profitierst.
  • Empfindliche Gegenstände nicht im Auto lagern: Nimm Gegenstände, die nicht hitzebeständig sind, lieber mit. Sei besonders vorsichtig mit Druckbehältern wie Spraydosen oder Feuerzeugen, da diese bei hohen Temperaturen gefährlich werden können.

Eine Regel ohne Ausnahme: Kinder und Tiere nie im Auto lassen!

Auch bei gemäßigten Außentemperaturen gilt: Lass niemals (!) ein Kind oder ein Tier im Auto zurück, auch nicht "nur für fünf Minuten". In den ersten Minuten steigt die Temperatur im Innenraum am schnellsten, und die kritische Schwelle ist erreicht, bevor ein kurzer Einkauf überhaupt erledigt ist. Der Körper eines Kindes erhitzt sich dabei um ein Vielfaches schneller als der eines Erwachsenen. Angeschnallt im Kindersitz, ohne die Möglichkeit, sich zu bewegen oder bemerkbar zu machen, wird die Lage noch gefährlicher. Schon eine Körpertemperatur von rund 40 °C reicht für einen Hitzschlag, höhere Werte können schnell lebensbedrohlich werden.

Für Tiere gilt dasselbe. Hunde können nicht über die Haut schwitzen, sondern regulieren ihre Temperatur fast nur über das Hecheln. In einem aufgeheizten Auto funktioniert das kaum noch. So kann ein Hund im heißen Auto schon innerhalb kürzester Zeit einen tödlichen Hitzschlag erleiden. Und selbst wenn dein Auto über eine Standklimatisierung verfügt: Technische Systeme können ausfallen, und dieses Risiko ist es in keinem Fall wert.
Eine Person lenkt ein Audi-Fahrzeug

Was tun im Notfall?

Wenn du selbst ein Kind oder Tier in einem fremden Auto in Not siehst: Zögere auf keinen Fall, Hilfe zu holen. Verständige schnellstmöglich den Notruf (in Österreich 133 Polizei, 144 Rettung) und bleib beim Fahrzeug, bis Hilfe da ist. Wenn das Kind oder Tier bereits Symptome zeigt (z. B. hochrote Haut, Bewusstlosigkeit; bei Hunden starkes Hecheln oder Erbrechen) und keine andere Hilfe rechtzeitig kommt, kann das Einschlagen der Scheibe im akuten Notfall gerechtfertigt sein. Informiere in dem Fall aber unbedingt vorher die Einsatzkräfte und folge deren Anweisungen.

Keep cool: Das Wichtigste zum Mitnehmen

Die Frage, wie heiß ein Auto in der Sonne wirklich wird, hat eine unbequeme Antwort: Innerhalb weniger Minuten erhöhen sich die Temperaturen im Innenraum auf gefährliche Werte. Trotzdem musst du der Hitze nicht hilflos ausgeliefert sein. Ein schattiger Parkplatz, Sonnenschutzmaßnahmen sowie ein kurzer Moment zum Lüften und Klimatisieren reichen schon aus. Wenn diese Handgriffe für dich zur Gewohnheit werden, sparst du dir nicht nur das verschwitzte Einsteigen, sondern fährst auch mit klarem Kopf los. Eine Grenze bleibt dabei unantastbar: Kinder und Tiere haben in einem geparkten Auto nichts zu suchen, unter gar keinen Umständen.

Häufige Fragen rund um Hitze im Auto (FAQs)

Frage: Was hilft gegen Hitze im Auto?
Antwort: Am wirksamsten ist ein schattiger Parkplatz. Zusätzlich helfen Thermomatten an der Frontscheibe, die vor allem das Armaturenbrett kühler halten. Vor dem Losfahren lohnt es sich, kurz alle Türen zu öffnen und durchzulüften, bevor du die Klimaanlage einschaltest.

Frage: Wie schnell wird ein Auto im Sommer heiß?
Antwort: Der Großteil des Temperaturanstiegs findet in der ersten halben Stunde statt, wobei dieser in den ersten Minuten besonders rasant voranschreitet. So steigt die Innenraumtemperatur bereits nach fünf Minuten um ganze vier Grad an. (Quelle: ARBÖ/OTS)

Frage: Wird mein Auto weniger heiß, wenn es hell lackiert ist?
Antwort: Nur geringfügig. Helle Autos heizen sich außen zwar etwas langsamer auf als dunkle, im Innenraum fällt der Unterschied aber kaum ins Gewicht. Entscheidend ist nicht die Farbe, sondern ob das Auto in der Sonne oder im Schatten steht.

Frage: Reicht es, das Autofenster bei Hitze einen Spalt offen zu lassen?
Antwort: Nein. Ein gekipptes Fenster bringt nur einen geringen Effekt, weil die Luft im Innenraum trotzdem kaum zirkuliert. Das Auto wird fast genauso heiß wie mit geschlossenen Fenstern und damit für Insassen oder Tiere kein bisschen sicherer.

Frage: Schützt eine Wärmeschutzverglasung vor dem Aufheizen?
Antwort: Kaum. Wärmeschützende oder getönte Scheiben verlangsamen den Anstieg höchstens um wenige Grad, an der Endtemperatur im Innenraum ändert sich so gut wie nichts. Verlass dich also lieber nicht darauf, dass ein Auto mit solchen Scheiben spürbar kühler bleibt.

Frage: Was soll ich tun, wenn ich ein Kind oder Tier in einem heißen Auto entdecke?
Antwort: Sofort den Notruf wählen (in Österreich 133 Polizei, 144 Rettung) und beim Fahrzeug bleiben. Zeigt das Kind oder Tier bereits deutliche Warnzeichen einer Überhitzung und ist keine Hilfe rechtzeitig in Sicht, kann ein Eingreifen gerechtfertigt sein. Wende dich in jedem Fall parallel an die Einsatzkräfte und kläre mit ihnen, ob die Scheibe eingeschlagen werden soll.

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